10 Dinge, die Sie zur Berufsunfähigkeitsversicherung wissen sollten

So bereitet Ihnen das Thema Berufsunfähigkeit keine Kopfschmerzen mehr

Verbraucherzentralen haben die Interessen aller Verbraucher im Blick und stehen nicht im Verdacht, einzelne Branchen zu unterstützen. Wenn Verbraucherschützer empfehlen, unbedingt eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen, sollte man daher hellhörig werden. Hier erfahren Sie, worauf Sie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten sollten und was ein gutes Produkt können muss.

1. Fangen Sie früh an, eine mögliche Berufsunfähigkeit abzusichern

Die Beitragshöhe einer Berufsunfähigkeitsversicherung richtet sich vor allem nach Alter und Gesundheitszustand des Versicherten. Versicherer berechnen ihre Prämien nach dem Risiko, berufsunfähig zu werden. Um dieses Risiko besser einschätzen zu können, fragen sie nach dem Gesundheitszustand des Antragstellers. Weil die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken, für ältere Arbeitnehmer größer ist, und sie oft bereits an Vorerkrankungen leiden, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für sie teurer. Manchmal kann der Antrag sogar ganz abgelehnt werden. Wer frühzeitig eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, hat daher gute Karten und kann mit einem wesentlich günstigeren monatlichen Beitrag rechnen.

2. Erst durch ausführliche Beratung finden Sie das passende Angebot

In Deutschland gibt es über 100 Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen, die ganz unterschiedliche Tarife anbieten. Als Laie ist es schwer, die Tarife miteinander zu vergleichen – und die richtige Entscheidung zu treffen. Der Grund: Die Anbieter setzen inzwischen auf eine sehr viel detailliertere Risikoanalyse und -gewichtung. Wurde früher nur zwischen kaufmännischen und körperlich fordernden Tätigkeiten unterschieden, wird neuerdings nach weiteren Risikofaktoren differenziert – etwa nach dem Ausbildungsstand und Gesundheitsverhalten, aber auch nach Arbeitsinhalten, Führungsverantwortung und Reisetätigkeit im Beruf. Damit lassen sich zwar für den individuellen Bedarf noch geeignetere Absicherungen finden. Eine sorgfältige Prüfung und Auswahl eines Versicherers ist allerdings ohne professionelle Beratung kaum möglich. Vergleichsportale stoßen deshalb auch häufig an die Grenzen der Vergleichbarkeit und bieten meist nur einen groben Überblick.

Wer eine Versicherung abschließen möchte, sollte sich gründlich beraten lassen. Denn jeder Fall ist individuell: Wie hoch ist Ihr Einkommen? Wie sind Sie sonst finanziell abgesichert? Haben Sie weitere finanzielle Verpflichtungen? Von Ihrer persönlichen Situation hängt ab, ob und wie stark Sie auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung angewiesen sind.

Tipp!

Wenn Sie eine Versicherung suchen, die optimal zur Ihrer persönlichen Situation passt, sollten Sie mit einem erfahrenen Vermittler den passenden Anbieter für Ihre Bedürfnisse finden. Gute Versicherungsvermittler kennen die Details der verschiedenen Tarife bzw. haben diese im Vorfeld geprüft. Denn bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die im Ernstfall über einen langen Zeitraum zuverlässig und leistungsfähig sein muss, kommt es auf die richtige Wahl des Vertrags an. Es geht immerhin um viel Geld – und um eine langfristige Bindung.

3. Brutto- oder Nettobeitrag? Wie viel muss ich eigentlich zahlen?

Bei der Versicherungsprämie geben Versicherer in der Regel einen Brutto- und einen Nettobeitrag an. Der Bruttobeitrag ist dabei der errechnete Beitrag des Versicherten zu seiner Berufsunfähigkeitsversicherung (der sogenannte „Tarifbeitrag“). Der Bruttobeitrag abzüglich der Überschussanteile ergibt den Nettobeitrag, die der Versicherungsnehmer dann tatsächlich zahlen muss.

Da die Überschüsse für die Zukunft noch nicht feststehen, ist der Nettobeitrag jedoch nicht garantiert – und kann durchaus steigen. Eine große Differenz zwischen Brutto- und Nettobeitrag deutet darauf hin, dass der Versicherer mit einem besonders attraktiven Nettobeitrag Kunden gewinnen möchte. Die Gefahr ist jedoch, dass diese Nettobeiträge später angehoben werden. Achten Sie daher auf eine geringe Spanne zwischen Brutto- und Nettobeiträgen.

In einigen Fällen sehen die Versicherungsbedingungen die Möglichkeit vor, auch die Bruttobeiträge zu erhöhen, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse es erfordern. Einige Anbieter verzichten auf diese Anpassung – bei ihnen ist diese Obergrenze garantiert. Es lohnt sich daher, bei der Wahl des Tarifs darauf zu achten, ob der Versicherer die Anhebung der Bruttobeiträge bedingungsgemäß ausschließt.

4. Die Gesundheitsprüfung ist eine große Hürde

Praktisch jeder Versicherer verlangt beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung eine Gesundheitsprüfung. Meist ist es eine Selbstauskunft zu Vorerkrankungen und gesundheitlichen Einschränkungen. Bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen fordert der Versicherer dann oft eine höhere Prämie – oder lehnt den Antrag ganz ab.

Neben der Gesundheitsprüfung fragen Versicherungen nach gefährlichen Hobbys – etwa Motorradfahren oder Drachenfliegen. In der Regel sind solche Hobbys kein Ausschlusskriterium. Allerdings müssen Sie als Antragsteller mit „Risiko-Hobby“ meist höhere Beiträge in Form von Prämienzuschlägen zahlen. Es gibt allerdings auch gute Tarife, die solche Hobbys ohne Zuschläge oder Ausschluss mitversichern. Es lohnt sich also bei Bedarf, nach solchen Verträgen zu suchen.

Auf jeden Fall sollten Sie alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten, denn sie werden überprüft, wenn es zum Versicherungsfall kommt. Wenn Sie Informationen vorenthalten oder falsch angeben, bringen Sie sich um Ihren Versicherungsschutz. Auch deshalb ist es vorteilhaft, eine Berufsunfähigkeitsversicherung bereits in jüngeren Lebensjahren abzuschließen.

5. So finden Sie die richtige Rentenhöhe

Wie viel BU-Rente brauchen Sie eigentlich? Was soll die Versicherung zahlen, wenn ich berufsunfähig werde? Um diese – für Sie – richtige Rentenhöhe zu finden, nehmen Sie Ihr Nettoeinkommen und ziehen davon die Summe ab, die Sie realistischerweise entbehren könnten. Berücksichtigen Sie dabei aber alle Kosten, die Ihnen auch weiterhin entstehen werden: etwa die Kosten für Wohnung, Lebensunterhalt, Ihr Auto und Urlaub sowie laufende Kredite. Auch Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung sollten Sie einrechnen ebenso wie vielleicht bereits bestehende Berufsunfähigkeitsversicherungen. Haben Sie eine Familie, die finanziell auf Sie angewiesen ist, sollten Sie dies unbedingt berücksichtigen. Als Faustformel empfehlen wir, für Singles 50 Prozent und für Paare 80 Prozent vom Nettoeinkommen zu versichern.

Setzen Sie die BU-Rente auf keinen Fall zu niedrig an. Eine Rentenhöhe von unter 1.000 Euro pro Monat ist in der Regel wenig sinnvoll – es sei denn, Sie sind noch anderweitig abgesichert. Sollten Sie die staatliche Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen, wird die BU-Rente nämlich mit den Sozialleistungen verrechnet. Lediglich für Berufsanfänger kann eine geringe BU-Rente sinnvoll sein – sofern der Vertrag eine Nachversicherungsgarantie einschließt. Berufsanfänger profitieren dann zunächst von geringen Beiträgen, können aber zu einem späteren Zeitpunkt aufstocken, um den Vertrag an das gestiegene Einkommen anzupassen.

6. Lassen Sie Ihren Berufsunfähigkeits-Schutz mitwachsen

Ob die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente im Bedarfsfall reicht, hängt auch davon ab, wie sich Ihre Lebenssituation generell entwickelt. Wenn das Nettoeinkommen beispielsweise stark ansteigt, Sie heiraten, Familienzuwachs bekommen oder eine Immobilie kaufen, so sollte auch die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit höher sein. Dafür gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • Viele Versicherer bieten eine sogenannte Nachversicherungsgarantie an. Ohne erneute Gesundheitsprüfung kann damit die BU-Rente heraufgesetzt werden.
  • Daneben gibt es die jährliche dynamische Anpassung. Sie sorgt dafür, dass der Vertrag jährlich angepasst wird. Die Anpassung gleicht in der Regel die Inflation aus und sorgt darüber hinaus für eine allmähliche Anhebung der BU-Rente.

Die monatliche Prämie steigt in beiden Fällen nach der Anpassung, dafür stimmt die versicherte Rente allerdings wieder mit Ihrer Lebenssituation überein. Bei der Wahl des Vertrags sollten Sie daher darauf achten, dass der Vertrag "mitwachsen" kann und eine dynamische Anpassung ermöglicht.

7. Schließen Sie die Berufsunfähigkeitsversicherung als eigenen Vertrag ab

BU-Versicherungen werden sowohl als eigenständige Verträge als auch als Zusatzversicherung zu einer kapitalbildenden Lebens- oder Rentenversicherung angeboten. Verbraucherschützer raten grundsätzlich dazu, eine separate BU-Versicherung abzuschließen. Denn mit getrennten Verträgen bleiben Versicherte bei etwaigen Zahlungsengpässen flexibler. Außerdem macht der zusätzliche Beitrag für den Kapitalaufbau den ohnehin schon recht hohen Beitrag für die BU-Versicherung noch einmal deutlich teurer, wenn die beiden Versicherungen zusammen abgeschlossen werden. Das verleitet häufig dazu, zugunsten der Altersvorsorge eine zu niedrige BU-Rente zu vereinbaren.

Eine an einen Altersvorsorgevertrag gekoppelte BU-Versicherung kann allerdings sinnvoll sein, wenn sie für den Fall der Berufsunfähigkeit garantiert, dass der Vertrag auch ohne Zahlung der Beiträge weiterläuft. Mit dieser "Weiterspargarantie" bleibt das Sparziel auch bei Berufsunfähigkeit abgesichert. Alternativ können Sie die erforderlichen Beiträge für die Altersvorsorge natürlich auch bei der BU-Rente in einem eigenständigen BU-Vertrag berücksichtigen.

8. Zahlt die BU schon, wenn Sie krankgeschrieben sind?

Einige Versicherer bieten an, die versicherte Rente bereits zu zahlen, wenn der Versicherte für mindestens sechs Monate am Stück krankgeschrieben wird – und nicht erst, wenn er auf lange Sicht nicht mehr seinem Beruf nachgehen kann. Der Versicherer leistet bereits bei Krankschreibung – also vor dem Ergebnis einer Prüfung auf Berufsunfähigkeit – und damit wesentlich früher. Dies kann die finanzielle Situation des Betroffenen deutlich entspannen. Parallel wird dann der Antrag auf Berufsunfähigkeit gestellt und geprüft. Wird die Berufsunfähigkeit anerkannt, ersetzt die BU-Rente dann nahtlos die Leistung wegen Krankschreibung.

9. Schließen Sie auf jeden Fall eine "abstrakte Verweisung" aus

Versicherer haben das Recht, Versicherte, die berufsunfähig werden, auf einen anderen generell zumutbaren Beruf zu verweisen – unabhängig davon, ob es hier tatsächliche offene Stellen gibt. Beispielsweise kann von einem Hallenleiter verlangt werden, als technischer Vertreter zu arbeiten oder von einem Schlosser, seinen Lebensunterhalt als Nachtwächter zu verdienen. Mit der abstrakten Verweisung kann der Versicherer die Berufsunfähigkeit ablehnen und muss auf diese Weise nicht zahlen.

Viele Versicherer verzichten jedoch mittlerweile auf ihr Recht auf abstrakte Verweisung. Achten Sie daher beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung unbedingt darauf, dass diese ausgeschlossen ist.

10. Achten Sie auf die Finanzstärke des Versicherers

Nicht nur die Höhe des Versicherungsbeitrags sollte den Ausschlag bei der Wahl des Versicherers geben. Ein solider Anbieter mit hoher Finanzkraft ist aus mehreren Gründen empfehlenswert: Weniger finanzstarke Versicherer erhöhen erfahrungsgemäß häufiger ihre Beiträge. Vor allem aber stellt die Finanzkraft sicher, dass der Versicherer auch später noch in der Lage sein wird, die BU-Rente zu zahlen. Weil dies für Versicherungsnehmer schwer zu beurteilen ist, sollten Sie sich beraten lassen. Einen ersten Überblick geben die Ratings der großen Ratingagenturen Moody´s, Standard and Poor´s oder Fitch. Ein solider Versicherer sollte ein Rating von mindestens "A-" oder "A3" haben.


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